How to do things with water? How does water do things?
flausen+ Stipendium Rheinland Pfalz
Angesichts der Klimakrise sind wir dazu aufgefordert, unseren Umgang mit Ressourcen zu überdenken. Wie kann das aussehen? Wie kann es aussehen, wenn wir den anthropozentristischen Blick und Narrative, die den Menschen ins Zentrum stellen, verlassen? Unser Stipendium hat sich mit einem Material beschäftigt, das eng mit der Klimakrise verbunden ist: dem Wasser.
Wir nutzen Wasser (aus). Und was tut das Wasser? Wozu fordert es uns auf? Welches narrative Potential steckt in diesem Element?
Giuseppina Tragni und Leo Marielle Amsbeck haben in ihrer flausen+ Residenz die Fragen erforscht:
Wie können wir Wasser eine agency geben?
Unsere agency abgeben?
Im globalen Zusammenhang ist die Wirkmacht des Wassers eindeutig sichtbar: Wenn sich Wasserströmungen und Regenphasen verändern, hat das Auswirkungen auf die gesamte Welt. Ist dies agency? Und wenn ja, wie lässt sich dies auf die Bühne und in Beziehung zu performenden Körper übertragen?
» Wenn es um das Wasser geht, öffnet sich ein unglaublich weites Feld, welches sich nicht erschließen lässt, nicht greifen lässt und spürbar in meiner Handfläche Tropfen um Tropfen verliert. «
Giuseppina Tragni
Nach unserer dreiwöchigen Forschungsresidenz im Theater in der Kurve in Neustadt können wir sagen: Wasser hat eine Agency! Diese Handlungsmacht ist konkret, abstrakt, noch etwas unerklärlich, unumgehbar und spürbar. Wasser hat sowohl stoffliche, performative als auch politische, gesellschaftliche Dimensionen eröffnet. Gerade die Eigenschaften des Wassers und die daraus resultierende Agency macht es zu einem spannenden Mit-Akteur auf der Bühne. Wir können uns der Wirkmacht nicht entziehen. Wasser fordert uns ständig zur Handlung auf. Eine Begegnung mit W. ist immer eine Interaktion, eine Aushandlung und ein Resonanzraum für die eigenen und für globale Geschichten. Wir haben innerhalb der Forschung festgestellt, dass wir wahnsinnig viel noch nicht wussten und nicht wissen, denn das Feld ist riesig. Es gibt zahlreiche Fäden, die wir begonnen haben und die wir in kommenden Arbeiten, Recherchen, Prozessen, Forschungen und weiteren Formaten weiter verfolgen möchten.
» Wir sind in dieser künstlerischen Residenz ins kalte Wasser gesprungen. Wir sind voll eingetaucht, abgetaucht, wieder aufgetaucht. Wir haben das Fass auch zum Überlaufen gebracht. Neue Fässer aufgemacht oder zumindest rein geschaut. Manchmal waren wir voll im Fluss. Grenzen haben sich aufgeweicht. Wir sind ins Schwitzen gekommen, ins Schwimmen gekommen, verschwommen und verschwammen darin. Manchmal stand’s uns bis zum Hals, manchmal nur bis zum Knöcheln. Einiges ist zwischendrin untergegangen. Wir fühlten uns pudelwohl und wurden pudelnass und folgten dem Pudels Kern. Es lief. Es läuft. Wir haben Dinge durchlaufen. Wir machen ja hier kein Weichspülprogramm. Und letztendlich sind wir alle nah am Wasser gebaut. «
Zitat aus dem making off
Fotos Heinz Kindler
Stipendiatinnen Leo Marielle Amsbeck, Giuseppina Tragni
Mentorin Alex Viteri
Stipendientheater Theater in der Kurve, Neustadt an der Weinstraße
Zeitraum 14.08. – 13.09.2023
making off 12. September 2023 im Theater in der Kurve
Gefördert im Rahmen der flausen+ 2er Stipendien Rheinland Pfalz in Kooperation mit Theater in der Kurve, Neustadt

Das flausen+stipendium ist ein Forschungsstipendium, welches Zeit und Raum für die Entwicklung und Erforschung neuer, gewagter Ideen ermöglicht – sowohl im Hinblick auf neue ästhetische Ansätze als auch auf aktuelle Themen.
» Wasser bildet ein wesentliches Element der Klimakrise, wie man derzeit gerade im Süden Europas erleben muss: Dürren und Überschwemmungen, Erwärmung der Weltmeere, Schmelzen von Permafrostböden und Gletschereis, Veränderungen der Flora und Fauna durch veränderte Wassertemperaturen. Dieser Transformationsprozess wird spätere Generationen noch intensiv beschäftigen. Gut deshalb, sich Gedanken zu machen und Wasser eine Stimme zu geben – oder es überhaupt erstmal wahrzunehmen. «
Die Rheinpfalz


















