being [a]part

2023

Eine Theaterperformance zum Thema Zugehörigkeit

Das Gefühl nicht dazuzugehören, ist uns ein ständiger Begleiter. Was trennt uns voneinander, was verbindet uns miteinander und was heißt eigentlich Zugehörigkeit?
Inspiriert vom Märchen „Das hässliche Entlein“ zweigt der Performer ab in persönliche Geschichten und individuelle Standpunkte. Zwischen experimentellen Versuchsanordnungen, die von einer Life-Kamera festgehalten und projiziert werden schweift er ab in

traditionelle, normative Formen der „Zugehörigkeit“, Nation, Religion, Sprache, Kultur, Geschlecht und sexuelle Identität. Gedanken und Erzählungen fließen ineinander, lösen sich auf, werden flüssig und flexibler. Wo passe ich da rein? Was macht mich aus und zu wem gehöre ich? Mit tänzerischen Elementen, Text, Video und Musik setzt sich das Ensemble sensibel und kritisch mit dem Thema Zugehörigkeit auseinander.

» Meine Familie hat sich in mir eingeschrieben. Fest geschrieben. Ich lache in ihrer Tonart. Ich weine ihre Tränen. Ich trage sie alle in mir. «

Zitat aus dem Stück

„being [a]part“ entstand aus einem tiefen Bedürfnis über Zugehörigkeit zu sprechen. Wir als künstlerisches Team sind geprägt davon, in und mit zwei Kulturen aufgewachsen zu sein und uns darin immer wieder zu fragen, wo wir dazu gehören. Wann beginnt die Suche nach Zugehörigkeit und wann endet sie? „Das hässliche Entlein“ erzählt für uns von den Kämpfen um Zugehörigkeit. Das Ei als Symbol des Lebens, welches nicht nur das werdende Leben umschließt, sondern auch für uns mit seiner Haut, seiner Zerbrechlichkeit, und seinem inneren Kern, eine Parallele zum Menschen beinhaltet, wurde zum Mitspieler, zum Objekt der „Verhandlung“: Immer wieder wird ein Ei in den nächsten Zustand gekocht, um dann aufgebrochen, durchstochen, gekocht und zerstückelt zu werden während eine verkürzte Fassung des Märchens erzählt wird. Der Performer Fatih Peker schweift während der Kochzeiten in eigene persönliche Geschichten ab und schafft einen Zusammenhang zwischen dem Märchen und der Realität, zwischen dem Ei und dem Menschen, und erzählt über das „Hineingeboren“ werden, über Familie, Religion, das Dazugehören-wollen in der Gesellschaft und das „Sich-verleugnen“, um dazu zu gehören.

Fotos Lys Y. Seng

Mit Fatih Peker
Inszenierung Giuseppina Tragni
Konzept und Texte Ceyda Rabia-Özcelik, Fatih Peker, Giuseppina Tragni, Leo Marielle Amsbeck
Stückfassung und Dramaturgie Leo Marielle Amsbeck, Giuseppina Tragni
Künstlerische Assistenz Ceyda Rabia-Özcelik
Musik Peter Hinz
Szenografie Christian Thurm
Grafik und Video Carlo Tragni
Outside-Eye Georgia Begbie

Premiere am 25.05.2023 im Theaterhaus G7, Mannheim

Eine Kooperation mit dem Theaterhaus G7

Unterstützt von der Esser Stiftung Mannheim und privaten Spender:innen. Danke an Inter-Actions Studio, EinTanzHaus und dem JNTM Mannheim für die Möglichkeit, in ihren Räumen zu arbeiten.

Wir danken der Layertruppe aus Mannheim, dessen Perspektiven und Stimmen im Stück eingeflossen sind.

Die Wiederaufnahme wurde gefördert vom Kulturamt Mannheim und dem Landesverband freie Tanz- und Theaterschaffende Baden-Württemberg.

Jury-Begründung:
Inspiriert vom zeitlosen Märchen “Das hässliche Entlein” entfaltet das Stück eine wundervolle Geschichte über Zugehörigkeit. Mit beeindruckenden theatralen Mitteln untersucht es facettenreich Aspekte wie Männlichkeit, Religion, Herkunft und Aussehen und stellt gleichzeitig die Frage, warum wir die Ängste und Erfahrungen unserer Familien übernehmen. Diese inspirierte Erzählweise ist ein wahrer Genuss und regt auf berührende Weise zum Nachdenken über individuelle Identität und Selbstakzeptanz an. Dass der Performer seine persönliche Geschichte transparent einfließen lässt, bietet Jugendlichen wertvolle Anknüpfungspunkte.

» Auf eine fast beiläufige, unaufdringliche und immer wieder humorvolle Weise gelingt es Peker dabei, selbst eine bemerkenswerte emotionale Wärme und Nähe zum Zuschauer zu kreieren. Umrahmt vom subtil mit dem Stück resonierenden Soundtrack von Peter Hinz wird „being [a]part“ mit choreographischen Elementen angereichert und trägt Züge eines Objekttheaters. «

Zitat Mannheimer Morgen


Kunstvideo „Das Ei“

„ (…) Es ging ja auch viel um türkische Identität und das fand ich total toll als Thema (hätte gern noch mehr gehört), trotzdem hab ich mich auch als nichttürkische Person viel identifizieren können oder mir wurden Unterschiede bewusst. (…)“

„Das Stück war auf eine schöne aber zeitgleich schmerzhafte Art und Weise gepackt mit
Emotionen. Es war rührend zu sehen wie sich being [a]part mit dem Thema Zugehörigkeit in Verbindung mit Identität auseinandergesetzt hat. Dies, in Zusammenspiel mit dem Märchen, „Das hässliche Entlein“ hat eine gute Dynamik zwischen Geschichten von Lebensrealitäten und der des Märchens geschaffen. Eine Theaterperformance mit ergreifenden Monologen und zum Nachdenken anregenden in witziger Form verpackter Interaktionen mit dem Publikum.“

„Mich hat besonders die schauspielerische Leistung, diese wahnsinnige Präsenz beeindruckt. Sehr passend fand ich die Musik. Berührt haben mich die Fragen, die ich innerlich beantwortet habe. Das ging den Schülerinnen auch so. Auch die Szene zum Konstrukt Familie brachte mich zum Nachdenken. Erleichternd fand ich das Gespräch mit dem Publikum, als er das Kostüm trug, das wirklich sehr süß. aussah. (…) Der Ort, die interessanten netten und offenen Menschen und die Infos zur Entstehung des Stücks machten den Abend zu einem besonderen Erlebnis. Das bestätigte mir auch eine Schülerin.“

„(…) Die Auseinandersetzung mit sich selbst wird durch ungewohnte Fragen angeregt. Besonders eindrucksvoll tritt das menschliche Bedürfnis nach Zugehörigkeit bei einem Gespräch des Schauspielers mit dem Publikum zu Tage. Insgesamt schafft es die Inszenierung das Publikum zu vereinen im Gefühl so oft nicht dazuzugehören und doch dazugehören zu wollen. In dem kleinen Foyer des Theaters herrscht nach der Inszenierung eine ganz besondere Stimmung. Danke dafür!“

„Ich mag Märchen … ein Mann, harmonische Bewegungen im Bühnenbild, vorsichtiges, bis zärtliches Herantasten an ein Ei. Und dann irgendwann beginnt die Erzählung mit: „ich mag Märchen“. „Skurril“, denke ich, „wie geht das zusammen?“ Die Bühne, spartanisch, fast steril anmutend und mein Blick im Wechsel zwischen Projektion, dritte Wand – und direktem Anspiel. Ich habe ein wenig das Gefühl in einem Prisma zu Gast zu sein. Von der ersten Minute an, bin ich darin, den Worten des Spielers folgend. Sie begleiten so natürlich und selbstverständlich sein Tun, dass ich mich beinahe in einem privaten Beisein wähne, als sei nur ich alleine da. Und was er sagt – es trifft genauso so zu – fast alles. Er kennt mich! Oder, ich erkenne mich in ihm. Dabei scheint das was er tut, von türkischer Folklore, Eier kochen, sezieren und zuletzt sachte im Wasserstrudel tanzen lassen, so absurd und gleichsam, das Wort auf ganz eigene, besondere Weise unterstreichend. Die Zeilen um ein Entlein, das so häßlich sei – doch zwischen all dem Gesagten und Ungesagten ist meinem Herzen der Schwan berührend schön sichtbar . Oh ja, ich auch! Ich mag auch Märchen.“

„Ich mochte den Abend sehr. Und er hat lang nachgehallt in mir. Und wenn das Theater/Kunst schafft – was will man mehr. ?? Ich fand, ihr habt eine ganz besondere Atmosphäre geschaffen. Zwischen beteiligt sein, sich gemeint fühlen, sich nicht gemeint fühlen, sich in Beobachtungs-Position zurückzuziehen. Der Abend war so persönlich. Nicht unbedingt, weil es (vermeintlich?) persönliche oder autobiografische Sachen waren, die thematisiert wurden, sondern von der Grundhaltung her. Das fand ich sehr besonders. Und ich habe es genossen, den Bewegungen der Eier und des Spielers zuzusehen und die Einbettung in das Märchen fand ich super. Ich finde, da ist euch ein sehr eindrücklicher und wertvoller Abend gelungen, vielen Dank dafür!“