Skizzen aus Leonce und Lena

2021

Stationentheater in Solis

Von Langeweile und Melancholie geprägt, verlässt der Kronprinz Leonce zusammen mit seinem treuen Diener Valerio, einem faulen Genussmenschen, das Schloss, um der von seinem Vater geplanten Hochzeit mit Prinzessin Lena zu entgehen. Auch Prinzessin Lena flieht mit ihrer Dienerin vor der Zwangshochzeit. Auf der Flucht treffen Leonce und Lena zufällig aufeinander und verlieben sich – ohne voneinander zu wissen, wer sie sind.

Leonce und Lena – eine typisch romantische Komödie? Auf den ersten Blick schon, jedoch entpuppt sich Georg Büchners Stück schnell auch als bissiges Portrait der Zeit. Büchners Werk ist vor allem eine Satire auf gesellschaftliche Verhältnisse, die wir auch heutzutage antreffen.

Aus der Idee, mit dem Jugendclub nach Parallelen in unserer Zeit zu suchen und eine zeitgemäße Version mit eigenem Gedankengut zu machen, voller Ironie und Poesie, mit Tanz und reichhaltigen Bildern wurde eine ganz eigene, den Umständen geschuldete Version. Nachdem die gemeinsamen Proben lange Zeit brach lagen, entschied sich der Jugendclub für eine realistische Umsetzung des Stückes, mit dem Wissen, dass dies nur bruchstückhaft sein würde. So wurden daraus sieben unterschiedliche Solo-Szenen, die die Zuschauer*innen auf einer Reise durch das Haus erwartet. Figuren wie Valerio und Lena begegnen einem ebenso wie poetische Texte, Choreografien und vor allem Szenen, die so unterschiedlich und individuell sind wie die Jugendlichen selbst.

» Mein ganzes Sein ist in dem einen Augenblick. Und ich bin so jung und die Welt ist so alt. Ich bekomme manchmal eine Angst um mich und könnte mich in eine Ecke setzen und heiße Tränen weinen vor Mitleid mit mir. «

Zitat aus dem Stück

Fotos Alen Ljubic

Mit sechs Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren
Regie Giuseppina Tragni
Choreographie Sarah Herr
Kostüm Petra Vaskova
Assistenz Leonard Bauditz
Trailer Leonard Bauditz, Linus Reichert

Ein Projekt des Jugendclubs Junger Pfalzbau / Theater im Pfalzbau Ludwigshafen, entstanden während der Corona-Pandemie.


» Nicht die Bühne selbst, sondern der halbe Pfalzbau wird zur Bühne, wenn die Besucher sich mit den Darstellern von Ort zu Ort bewegen. An der Theaterkasse lädt der 18jährige Ludwigshafener Jannis Grüning ein, den anderen zu folgen. Er selbst gibt im oberen Foyer den Valerio, Kronprinz Leonces treuen Diener. „Killer Queen“ singt er anstelle von Büchners „Hei, da sitzt e Fleig an der Wand“ und huldigt dem Müßiggang: „Ich habe eine ungemeine Fertigkeit im Nichtstun, ich besitze eine ungeheure Ausdauer in der Faulheit.“ Die größte Freude bereitet allen Zuschauern die junge Otterstädterin Carola Mosis als König Peter vom reiche Popo. Mit einem Knoten im Schnupftuch, um sich des Volkes zu erinnern: „Der Mensch muss denken, und ich muss für meine Untertanen denken, denn der Mensch denkt nicht.“«

Die Rheinpfalz